[Wissenswertes] Wie kann Selbstgenächtes in der Demenz-"Therapie" hilfreich sein // Was sollte beim Selbermachen beachtet werden


die Demenz.

Ich möchte nicht mehr, dass dieses Thema tot geschwiegen wird! 
Wenn wir alle die Augen vor dem verschließen, dass uns Angst bereitet, wer wird uns dann helfen/verstehen wenn wir selbst einmal mit der Demenz leben müssen???


Ich möchte mit dieser Themenreihe Angehörigen und Pflegepersonal etwas an die Hand geben, um das Leben mit und für den Erkranken ein wenig besser zu machen. Es ist nur ein kleiner Tropfen. Jedoch, wie man weis, können viele kleine Tropfen zu einem Bach anschwellen.

Um die Frage, Wie können genähte Unikate  bei der für Demenz-"Therapie" hilfreich sein?, beantworten zu können, muss man erst einmal wissen Was ist Demenz? und Was verursacht sie? 

(vereinfacht erklärt)
Demenz ist eine fortschreitend Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen unwiderruflich absterben und somit das räumliche Orientierungsvermögen, das Gedächtnis und die Sprache beeinträchtigt sind.

Es gibt zahlreiche verschiedene Demenzerkrankungen. Die bekannteste und häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Erkrankung. 


Aber wie kann man jetzt mit genähten Unikaten den Erkranken helfen?
Ein Demenzkranker zeigt sehr oft Verhaltensauffälligkeiten. 

Die häufigsten Verhaltensauffälligkeiten sind z.B. : 
  • Aggression
  • Angst
  • Apathie
  • Depressionen
  • Enthemmung
  • Gefühlsschwankungen
  • Gereiztheit
  • Halluzination 
  • intensivere Wahrnehmung von Farben, Formen und Töne
  • Misstrauen
  • Schlafstörung
  • Unruhe
  • vermehrter Bewegungsdrang (Wandern)
  • Verwirrung
  • Wahn
  • Wut

Diese Auffälligkeiten können das Zusammenleben (oder auch pflegen/betreuen) mit einem Erkrankten extrem beeinträchtigen. ... und genau hier kommen die genähten Unikate zum Einsatz.

Wer einmal einen Erkrankten mit starker Unruhe beobachtet hat, der musste feststellen, dass der Erkrankte ständig mit den Händen über seine Kleidung reibt, daran zupft und zerrt. In schlimmsten Fall kann es sogar soweit kommen, dass der Erkrankte sich ständig die Kleidung ausziehen will, nur um die innere Unruhe ein wenig im Zaum zu halten. 

Beim Einsatz von genähten Unikaten, soll die Unruhe des Erkrankten umgelenkt werden und ihm zugleich beruhigen. Das heißt, der Erkrankte reibt, zerrt und zupft nicht mehr an seiner Kleidung, sondern an den extra für ihn genähten Unikat.

Dabei ist es egal ob es eine speziell für ihn angefertigte Decken, Kissen, Tücher ... sind. Wichtig ist nur, dass man einige Dinge beim Herstellen dieser Unikat beachten sollte.



Folgendes solltest du beim Nähen für Demenzkranke beachten:

  1. An erster Stelle steht immer die jeweilige Person! Beobachte den Erkrankten und finde heraus, was er mag, was er nicht mag, was ihn aufwühlt oder im schlimmsten Fall, eines der oben aufgelisteten Verhaltensauffälligkeiten auslösen kann.
  2. Das genähte Unikat muss robust sein. Die Näherei soll ja angefasst werde. Es soll dran gezogen und gezupft werden. Alles was an- und aufgenäht wird, sollte möglichst lange an Ort und Stelle bleiben. Das heißt: am besten doppelt und dreifach annähen.  
  3. Große Details wählen. Im Laufe der Erkrankung nimmt die motorische Beeinträchtigung immer mehr zu. (ein Hemd mit keinen Knöpfen zumachen/ Schleifen binden funktioniert nicht mehr ...) Sollten Dinge zum aktiven öffnen und schließen auf der Näherei angeboten werden (z.B. Verschlüsse) dann müssen diese groß und gut greifbar sein.
  4. Abwechslung bieten. Das kombinieren unterschiedlichster Stoffe und Materialien, bietet dem Erkrankten reichlich Spielraum um seine Hände zu beschäftigen und seine Unruhe loszuwerden. 
  5. Mit Farben zur gewünschten Ruhe! Farben können die verschiedensten Gefühlsregungen wecken. Welche Farben das gewünschte Verhalten verstärken können, das erfährst du im Artikel Farbtherapie - geeignete Farben und Muster
  6. Die Näherei muss waschbar sein. Durch das ständige Anfassen, lagern sich Schweiß und Schutz auf dem Unikat ab. Demzufolge muss so eine Näherei auch öfters gewaschen werden. 
  7. Verschollene Erinnerungen wecken. Durch den Einsatz von bestimmten Textilien können Erinnerungen geweckt werden. z.B. ein brauner Kordstoff - Erinnerungen an den geliebten Lebenspartner (wenn der Lebenspartner sehr oft braune Kordhosen getragen hat) oder auch eine Applikation/Bild/Druck in Form eines Zuges - wenn der Erkrankte mit Leib und Seele Eisenbahner war

Im Laufe dieser Themenreihe wirst du viele Tipps und Tricks und kostenlose (anfängerfreundliche) Anleitungen an die Hand bekommen, um für deinen Dementler, ein therapieuntertützendes Unikat zu nähen.

Du braucht keine Angst vor der Umsetzung zu haben. Wenn du deinen Dementler gut beobachtest und weist, wie er auf was reagiert, dann ist die halbe Miete schon getan.

Wenn du sehr gern ehrenamtlich für Demenzkranke nähen möchtest, jedoch die jeweilige Person nicht persönlich kennt, bzw. eine Näherei zur Gruppentherapie anbieten möchtest, dann bist du hier auch bestens aufgehoben. 

Für das Schreiben dieser Themenreihe, sowie dem Nähen und Erstellen von Anleitungen zum Nachnähen, habe ich immer meine verstorbene Oma bei mir. 
Damals war es eine enorme Belastung für die ganze Familie, dass die Oma fast alle Verhaltensauffälligkeiten zeigte, die ein Alzheimler überhaupt haben konnte. Heute nutze ich diese Erfahrungen zum erstellen dieser Themenreihe und der speziellen Nähanleitungen.

Mein Rohmodel für all meine Nähanleitungen zur Themenreihe ist also ein weiblicher Extrem-Alzheimler. Somit können auch ehrenamtliche Näherinnen (die Unikate für die Gruppentherapie herstellen oder den Patienten nicht persönlich kennen) mit meinen Anleitungen arbeiten.


Quellenangabe: eigene Erfahrungen, Familienangehörige, dgkWikipedia

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